Ich hatte das diabolische Vergnügen, für MARGARETHE eine der Dämoninnen verkörpern zu können. MARGARETHE ist ein abendfüllender Langfilm des Wiener Filmemachers Martin Willibald Meisl zu Johann Wolfgang von Goethes „Faust. Der Tragödie erster Teil“ – erzählt aus der Sicht von Margarethe und mit Faust in einer Nebenrolle. Dreharbeiten waren im Mai 2025, nun gibt es eine erste Musik-Auskopplung und ein Video, das exklusiv zeigt, was wirklich zwischen Faust und den Dämoninnen passiert: Die Walpurgisnacht.
Fleisch gewordene intrusive Gedanken
Während des Films MARGARETHE mischen sich immer wieder die Dämoninnen ein. Manchmal sind sie nur kurz im Bild zu sehen, manchmal ist es nur Margarethe, die sie zu spüren scheint, manchmal kann man sie nur zu hören („wenn du sie tötest, bist du frei!“), manchmal sind sie Begleiterinnen im Tanz… und einmal, in einem ausgekoppelten Video, in ihrer eigentlichen Rolle: Während der Walpurgisnacht, in einem ekstatischen Ritual mit dem jungen Faust.
Die Dämoninnen sind Margarethes verkörperte intrusive Gedanken. Also Gedanken, die sich unwillentlich und prominent in das Bewusstsein und Erleben zwängen. Sie ernähren sich von ihrer Angst und ihrer Scham, spielen mit ihrer Wahrnehmung und verdrehen ihre Gedanken. Sie sind Verbündete von Faust und ihm sowohl zuarbeitend als auch untergeben.
Walpurgisnacht für MARGARETHE – behind the scenes
Diese Szene hebt sich atmosphärisch und visuell deutlich vom Rest des Films ab. Ich hatte für diese Szene den Auftrag, eine Choreografie zu entwickeln (und zu tanzen), die sich auf Faust und die Dämoninnen konzentriert, stark sexuell motiviert ist und rituellen Charakter hat. Walpurgisnacht eben.
Mit kleinen Hindernissen: die Choreographie musste leicht verständlich und schnell umsetzbar sein für Menschen mit und ohne Tanzerfahrung. Also entwickelte ich Sequenzen, die variabel im Schwierigkeitsgrad waren und wie in einem Baukasten kombiniert werden konnten. Diese Sequenzen schickte ich als Videos mit Anleitungen und kurzen Erklärungen, was mir wichtig ist, worauf ich fokussiere etc. an meine Mit-Tänzer:innen, die in Berlin, Wien und Mistelbach leben.
Am Weg von der Choreographie zum fertigen Video ist, wie immer, so vieles ganz anders verlaufen, als geplant: Von den ursprünglich zwei Fausts und vier Dämon:innen, für die ich das Ritual konzipiert habe, blieben mir letztendlich zwei Dämoninnen und ein Faust übrig (nämlich neben mir noch die Berliner Künstlerin Alice Dee als Dämonin und der Wiener Schauspieler Stefan Pauser als der junge Faust) – was erst unmittelbar vor Drehbeginn klar wurde.
Wie so oft weiß man aber erst rückblickend, was das bewirkt hat.
Denn: Letztendlich führte es dazu, dass wir das Ritual extrem verdichten mussten – und das nicht nur räumlich, sondern auch energetisch, um diese ekstatische Kraft verkörpern zu können. Und das spürt man! Drehplanverschiebungen aufgrund eines ausgiebigen Mai-Wolkenbruchs führten außerdem dazu, das wir zwei Dämoninnen sehr übermüdet in Kostümen tanzten, die zwar fantastisch dämonisch aussahen aber, wie sich herausstellte, nicht für so einen wilden Tanz geeignet waren (blutige Oberschenkel während der Walpurgisnacht! Es hätte nicht authentischer sein können. Und wohl auch kaum schmerzhafter).
Diese Übermüdung, die Überwindung der Schmerzen und die Hingabe meiner beiden Mit-Tänzer:innen, ihre Offenheit für wildeste Änderungen meinerseits (alles für die Kunst!) und diese totale Konzentration auf das, was die Walpurgisnacht ausmacht, haben letztendlich genau das ermöglicht, was ich für die Walpurgisnacht wollte: eine vibrierende, wilde, ekstatische Begegnung in einer Zwischenwelt.

Von Flöten verführt – die Musik der Walpurgisnacht
In ihre Extase geführt werden Faust und die Dämoninnen von einem eigens von Jelena Mortigjija-Reiter komponierten und eingespielten Flötenstücks, das seit Ende Juni auf allen Plattformen zu streamen ist.
Für die musikalische Untermalung dieser intensiven Szenerie wünschte ich mir abstrakte, unkonventionelle Flötenklänge. Eine große Inspirationsquelle war mir hierbei das isländische Flötenensemble „viibra“, welches insbesondere für seine experimentellen, grenzüberschreitenden Klangwelten und unkonventionellen Spieltechniken (unter anderem durch die enge Zusammenarbeit mit Björk) bekannt ist. Genau diese rohe, fast schon unheimliche und entrückte Energie sollte in das von Jelena Mortigjija-Reiter komponierte Stück einfließen. (Martin Willibald Meisl über die Musik zur Walpurgisnacht)
Was das für für ein verführerischer, soghafter Sound geworden ist – ihr müsst euch das unbedingt anhören. Unbedingt!
Die visuelle Welt zur Musik – das Video der Walpurgisnacht
Und hier ist es <3 Das Video. Tadaaaa!
Für die Beschreibung zitiere ich einfach, was dort steht:
The official music video for WALPURGISNACHT is finally yours.
We’ve poured our hearts into building this visual world, but look closely—what you’re seeing today is just the first frame of a much larger picture. Keep your eyes peeled for clues, because a new chapter is coming to the big screen soon. Stream the track everywhere.
IN THE VIDEO:
DEMON: ALICE DEE
DEMON: JULIA PETSCHINKA
FAUST (YOUNG): STEFAN PAUSER
CHOREOGRAPHY: JULIA PETSCHINKA
HAIR & MAKE-UP: ALICE DEE
COSTUMES: JOHANN CAPA
WRITTEN AND DIRECTED BY: MARTIN WILLIBALD MEISL
DIRECTOR OF PHOTOGRAPHY: MARTIN COS
COLOR: SEBASTIAN GANGL
Premiere – und warum die Feier so wichtig ist
MARGARETHE, der Langfilm von Martin Willibald Meisl feiert am 24. September 2026 in Wien Premieren (alle Details folgen noch!).
Gefeiert wird am Freitag, 25. September 2026! Und es ist nicht irgendeine Party! Im Rahmen von „Birdcage“ im Wiener U4 treten die special Acts Sopranistin Anne Wieben, die übrigens im Film MARGARETHE eine der Hauptrollen spielt und singt (nämlich Margarethe herself!), Hungry (Performance-Künstler:in aus Berlin) und Tamara Mascara (Wiener Drag-Künstlerin) auf. Kuratiert wird der Abend von Martin Willibald Meisl …. und
(off-topic)
wenn ich daran denke, habe ich einen full-circle-Moment.
Der full-circle-Moment. Oder: Was Abende von Martin Willibald Meisl bewirken können
Jetzt muss ich kurz diesen full-circle-Moment auskosten und euch erzählen.
Der Beginn: Donnerstag, 22. Juni 2023
Am Donnerstag, den 22. Juni 2023 fand im Wiener Theater Vindobona ein ganz außergewöhnlicher Abend statt, zu dem mich Michael Kaufmann von Queer Art Spaces Vienna mitgenommen hat: SOLILOQUIZE – new queer Opera wurde präsentiert. „Uraufführung des neuen Kurzfilms „Pique Dame: Lisas Katharsis“ von Martin Willibald Meisl“.
Zu diesem Zeitpunkt war ich in einer tiefen Krise, die viele Lebensaspekte betraf und ganz besonders auch meine Kunst und meine Kreativität. In dieser Phase musste ich mich auf mich selbst konzentrieren und war abgekoppelt von allem. Was auch bewirkte: alles war abgekoppelt von mir, nur wenig erreichte mein Inneres, fast garnichts inspirierte mich. Ich wusste (weil ich meiner Therapeutin glaubte): das war wohl normal so und irgendwann würde sich das wieder ändern. Es fühlte sich ungewohnt und unangenehm an. Und in manchen Momenten machte es mich auch sehr nervös.
Gut. Ich saß also neben Michael im Publikum, ich weiß noch genau wo. Ich weiß, wo Butter saß. Angekündigt war Denice Bourbon als Moderatorin, sie war aber krank und Stefan Pauser sprang ein (von Springen war keine Rede, er hatte unendlich hohe Pleaser an. Sehr, sehr schön!).
Und es begann ein Rausch, der mich innen mindestens einmal komplett auseinander genommen hat, neu gebaut und verwirbelt. Vom Kurzfilm Pique Dame: Lisas Katharsis verstand ich nichts – weder hatte ich Ahnung von der Geschichte, noch von dieser Oper. Aber er funktionierte auch auf meinem inneren, weißen Blatt Papier. Ich tauchte ein in diese fantastische Welt, in der düstere Gestalten Karten spielten, eine in einem Wunderwald stehende Sängerin einen Fasan in ihren Händen hielt und jemand starb.
Doch dann wurden Figuren lebendig und transportieren Arien, Tänze und ferne Wesen von der Leinwand auf die Bühne. Anne Wieben und Ewelina Jurga sangen Arien, Tamara Mascara sang stumm (Lipsync) in diesem weißen Kleid, ich erinnere mich genau, und Hungry performte zu Nina Hagen. Alle habe ich an diesem Abend zum ersten Mal gesehen.
Alle verzauberten mich. Und ich wollte mich verzaubern lassen!
Übrigens: wer Nina Hagen in ein Programm einbaut, hat mich gewonnen <3
Genau so muss eine Filmpremiere sein, dachte ich. Genau so müssen Tanz, Gesang, Kostüme und Kino ineinanderfließen! Ich war bis in jede Faser inspiriert und fühlte mich wach.
Später, nach der Premiere, plauderten viele mit Martin auf der Straße. Sie kannten sich alle, ich kannte damals fast niemanden. In diesen Momenten werde ich sehr still und schüchtern. Ich hab also nur meinen wichtigsten Satz rausgebracht – nämlich, was das für ein schöner Abend war. Alles andere musste ich dann später erledigen und Martin über Instagram anschreiben.
Ich wollte ihn kennenlernen. So jemanden, der mich inspirieren kann und berühren kann, selbst wenn meine Rezeptoren abgedreht sind, konnte ich nicht einfach weiterziehen lassen. Ich musste es zumindest versuchen.
….
Mai 2026.
In der Widmung zum Film MARGARETHE steht unter anderem: Liebe Julia, what a ride unsere Freundschaft doch ist!
Ja, das ist daraus geworden.
Und wenn nun MARGARETHE am 25. September 2026 im U4 mit künstlerischem Programm gefeiert wird – versteht ihr nun, was das für ein zauberhafter Kreis für mich ist?
Kommt also unbedingt, und feiert mit! Es gibt noch ein paar Karten.
Ich freue mich auf euch!



