Flamencofestival Düsseldorf 2017 – mein Tagebuch

Es ist Sonntag und fast schon Mitternacht und dann Montag und ich komme nicht nach. Mein Kopf brummt noch von der vergangenen Vorstellung – aber dazu später mehr. Alles der Reihe nach.

Al Baile von Juan Carlos Lérida

Ich bin am Donnerstag in Düsseldorf beim Flamencofestival angekommen und gleich ins tanzhaus nrw gegangen. Mein drittes Mal „Al Baile“ stand am Programm und es war ein perfekter Einstieg in mein Festivalwochenende. Das Stück habe ich vergangenen Oktober in Barcelona zwei Mal gesehen. Und das war gut, denn ein Mal hätte nicht gereicht. Ich habe „Al Baile“ hier für Flamenco Divino und hier in meinem Blog recht ausführlich beschrieben und werde daher jetzt nicht auf das Licht, den Ton, die Tänze, den Raum oder die Farbe (PINK!!!) eingehen. Was mich beim dritten Mal fasziniert hat: Ich habe wieder miterlebt, wie großartig es ist, ein lebendiges Stück Kunst zu sehen. Eines, in dem Platz, Luft und Raum für Tiefe ist. Oder Oberflächlichkeit. Für Geduld und Ungeduld. Diesmal gab es Momente, in denen sich die drei Künstler Juan Carlos Lérida, David Climent und Gilles Viandier noch weiter fallen ließen, um ihre Improvisationen auszudehen und in ein Extrem zu gehen (ich liebte das!) und es gab Momente, die viel zu früh, viel zu ungeduldig unterbrochen wurden (ich liebte das garnicht!).

Foto des Stuecks Al Baile_Foto von Klaus Hander

Foto: Klaus Handner. „Al Baile“ von Juan Carlos Lérdia (hier mit David Climent).

Das Publikumsgespräch im Anschluss an „Al Baile“ war irgendwie irritierend zäh. Und auch gut. Es war beides. Mir gefielen die Ideen zum Raum – der Raum war ganz offen, wir haben alle Wände gesehen. Lérida erzählte, dass er alles, was typisch für den Tanz (oder die Tanzpräsentation?) ist, verändern wollte… „entnackten“ ist das Wort, das dabei entstand… Der Tanz wird oft in einem definierten, eingerahmten, begrenzten Raum präsentiert. Durch die Öffnung der Bühne, haben sie dieses Konzept aufgebrochen und gleichzeitig aber mit dem Licht definierte Plätze geschaffen, in denen sie diese Begrenztheit bewusst nutzen konnten. Eine andere Frage blieb bisher noch unbeantwortet, zumindest in diesem Kontext: Was für neue Flamenco-Körper entstehen, wenn man all die Teile wieder/anders zusammensetzt, die bei „Al Baile“ auseinandergenommen wurden – nämlich Bewegungsteile, Körperteile, Lichtteile, Konzeptteile, Raumteile? Was entsteht?

Links:

Foto der Mitschrift vom Stueck AL BAILE beim Flamencofestival in Duesseldorf 2017

Das habe ich während „Al Baile“ mitgeschrieben und gezeichnet. Ich erkenne das Stück wieder. Was erkennt ihr?

Workshops: Lérida – Choro – Guerrero

Freitag ist der Beginn  der Workshops des zweiten Festivalwochenendes. Irgendwas fühlt sich dieses Jahr anders an, wenn ich am Gang sitze oder in die Kursräume schaue. Es sind, glaube ich, weniger Leute zu sehen. Wo seid ihr? Einige Kurse sind gesteckt voll, andere weniger. Das war immer schon so. Dieses Jahr finden, glaube ich, mehr Workshops statt als sonst. Und trotzdem sehe ich weniger Menschen? Paradox.

Foto Workshops Flamencofestival Duesseldorf 2017

Ein kleiner Blick in den Workshop von Torombo.

Viele Kurse überlappen sich und es geht nicht nur mir damit nicht so gut. Ja, auch dieses Jahr kann ich nicht alle Workshops besuchen, an denen ich gerne teilgenommen hätte. Und ja, jedes Jahr rege ich mich darüber auf. Dieses Jahr auch wieder: die Kursüberschneidungen haben mich genervt und ich hätte gerne den Cajón-Kurs UND den Rhythmus-Workshop besucht und mehr von den anderen Workshops gesehen.

Was ich tatsächlich gemacht habe: Ich nahm an beiden Kursen von Juan Carlos Lérida teil: Improvisation und Tientos. Beide waren (wie immer???) gut. Wie immer? Gibt es nicht. Nichts ist wie immer, schon garnicht ich selbst. Mir tat – so rückblickend betrachtet – die lange Pause gut. Ich habe wirklich schon sehr lange nichtmehr an einem Improvisations-Kurs von Juan Carlos Lérdia teilgenommen. Das war einerseits schwer auszuhalten und andererseits hatte ich dadurch Gelegenheit, mich auf meinen Flamenco zu konzentrieren und zu sehen, was die Technik, die ich gelernt habe, in mir bewirkt. Also stand ich dieses Jahr im Improvisations-Kurs und fühlte mich so locker und Zwang-los wie noch nie. Ein sehr angenehmes Gefühl. Der Tientos-Workshop war unglaublich gut und erhellend. Beide Kurse wurden von der Sängerin Yota Baron begleitet, was sich als wirklich großer Luxus herausgestellt hat!

Tag 1 der Workshops von Juan Carlos Lérdia. Auf facebook beschreibt er, was er in seinen Kursen macht. Lohnt sich immer, das zu lesen!

Tag 2 der Workshops von Juan Carlos Lérdia.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

A propos Luxus: Die beiden anderen Workshops, an denen ich teilgenommen habe, waren in der Kombination „LehrendeR – Musikbegleitung“ auch vom Feinsten: Antonio Molina „El Choro“ wurde von Jesús Guerrero begleitet (lasst euch das auf der Zunge zergehen!) und Patricia Guerrero von Juan Requena (das lasst euch auch gleich mit auf der Zunge zergehen!). Beide Kurse waren toll und zusätzlich kamen wir in Genuss, eine Idee der Zusammenarbeit zwischen TänzerIn und Gitarrist zu bekommen. Es war schön, ihnen einfach zuzuhören, wenn sie von der Qualität der Bewegungen sprachen und diese in Musik übersetzten. Außerdem zeigt es viel von der Persönlichkeit dieser Gitarristen, wenn sie in einer Tanzklasse sitzen und nicht irgendwas spielen sondern wirklich ganz bei der Sache sind und sich dafür interessieren, was passiert. Und mitgestalten.

Heute, Montag, gönne ich mir dann noch einen weiteren Luxus: Ich nehme am letzten Tag noch am Kurs von Ulrich Gottwald „El Rizos“ teil. Alle sind restlos und darüber hinaus begeistert und wünschen sich mehr davon – von seinen Erklärungen und Übungen zu den Palos, dem Compás und dem Zusammenspiel. Leider hat sich sein Kurs mit vielen anderen überschnitten und so konnten anfangs nicht alle teilnehmen, die wollten. Aber was passiert, sobald die anderen Kurse vorbei sind? Alle gehen zu Ulrich, denn dort muss man sein! Ich hoffe sehr, dass es nächstes Jahr wieder seinen Kurs geben wird!!!

Corps Flamenco – Dokumentation über Juan Carlos Lérida und seine Flamenco_Empirico_Method

Am Freitag gab es vor dem Hauptabendprogramm einen Film im Foyer zu sehen. Ist es das erste Mal, dass es beim Flamencofestival Filme zu sehen gibt? Hmmm… nein, da waren doch schon mehrere Filme zu sehen, allerdings im kleinen Saal, oder? Jedenfalls: dieses Mal gibt es ganz schön viel Programm auch im Foyer bei freiem Eintritt, und das finde ich natürlich gleich wieder sehr toll. Denn so lebt das Foyer, die Menschen bekommen am Weg in den großen Saal nicht nur einen Programmzettel sondern auch gleich ein paar neue Blickwinkel mitgegeben.

Filmplakat von Corps Flamenco von Julien Artru und Carolane Sanchez

Filmplakat von Corps Flamenco – von Julien Artru und Carolane Sanchez

Die Dokumentation „Corps Flamenco“ von Julien Artru und Carolane Sanchez zeigt die Arbeitsweise von Juan Carlos Lérida – sie zeigen unter Anderem einen Zusammenschnitt eines Intensivworkshops über „Improvisation für und aus dem Flamenco“ in Sevilla. Wir sehen Lérida und seine Schülerinnen im Ausprobieren, Improvisieren und Reflektieren. Wir sehen sie in Krise und Wachstum. Es sind sensible und sehr intensive Momente. Und wir sehen Ausschnitte aus Stücken von Juan Carlos Lérida – ganz frühe, als er etwa mit Belén Cabanes tanzte und im Interview über sein Miteinander von Flamenco und zeitgenössischem Tanz spricht. Mit langen Haaren und rotzfrech! Die Doku ist gut, um einen Einblick zu kommen. Sie ist ein schönes Portrait von dem, was jetzt ist und woraus es entstanden sein könnte.

Gleichzeitig hat mich der Film auch sehr ermattet. Ich fand ihn zu lange und zu dicht – auch, wenn ich unendlich neugierig bin und mich vor allem auch die alten Videoaufnahmen früher Auftritte Léridas sehr interessieren. Alles, was die Unterrichtsmethode „Flamenco_empirico_method“ betrifft, die wir in der Dokumentation miterleben können, ist tiefgehend. Die Gedanken dazu über den Körper und die Bewegungen, die Improvisationsanleitungen und dann die Menschen, die improvisieren und ausprobieren – da komme ich als Zuseherin nicht so schnell mit. Im Film sind viele dieser Sequenzen für mich zu schnell aneinandergereiht und das nimmt mir Zeit weg zu erleben, was ich sehe. Zeit, um zu verstehen und einzuordnen. Hier würde weniger viel mehr sein.

Das Hauptabendprogramm – Patricia Guerrero mit „Catedral“ – verschiebe ich auf den nächsten Tag. Diesen Luxus gönne ich mir, denn ich gehe mit Freunden aus. Ja, auch das ist das Festival: ein Wiedersehen und Zeitverbringen miteinander. Und das ist im Flamenco eben auch wichtig. Menschen, direkt und ohne Bühnengrenze.

Film: Flamenco – Gesichter eines Tanzes

Am Samstag gibt es vor Patricia Guerreros „Catedral“ gleich zwei Spektakel im Foyer zu erleben. Nur eines davon steht im Programm, nämlich der Film „Flamenco – Gesichter eines Tanzes“ von Sibylle Tiessen. Das andere entstand spontan – und dieses Ungeplante ist vielleicht auch so typisch für den Flamenco. Ich weiß es nicht. Zuerst zum Film: Die halbstündige Dokumentation über Flamenco in Sevilla war kurzweilig und wunderbar als Überblick. Es war eine dieser Flamenco-Dokumentationen, die Lust auf mehr machen. Mehr von der Schönheit der Personen, die interviewt werden, mehr von ihren Gedanken und mehr von ihrem Flamenco. Zum Glück wird es auch mehr geben – denn diese halbe Stunde Film war niemandem genug. Es entsteht eine Langversion, die dann wieder im Schweizer Fernsehn und auf 3SAT zu sehen sein wird. Das freut mich.

Foto vom Gespraech Susanne Zellinger mit Torombo und Ulrich Gottwald El Rizos

Das Gespräch nach dem Film – Susanne Zellinger, Torombo, Ulrich Gottwald „El Rizos“

Einer der Protagonisten des Films war Torombo, der auch hier beim Festival ist. Torombo ist laut, leidenschaftlich und kämpferisch. „Herzensgut“ sagen die einen, „agressiv“ sagen andere, „wichtig“ wieder andere und „die andere Seite des Flamenco“ höre ich auch. Er ist wohl alles. Ich erlebe ihn hier beim Festival nur von außen, ich höre seine spontanen Reden und Vorträge. Ich bin nicht in seinen Workshops und weiß nichts von seiner Arbeitsweise. Das was ich hier von ihm erlebe löst in mir Gefühle von „genervt sein“ aus, ich möchte nicht in seiner Nähe sein, ich empfinde ihn als grenzüberschreitend und das ist mir unangenehm.

Geplant war ein Gespräch zwischen ihm und Susanne Zellinger nach dem Film. Daraus geworden ist ganz etwas anderes, nämlich ein sehr bewegter und bewegender Torombo-Vortrag. Über Flamenco und das Wahre und Einzige und wie man tun muss und sollte und ist. Mich hat der Vortrag zeitweise richtig schockiert, er war mir zu dogmatisch, zu laut und agressiv. Danach mit Dorothee Schakow über Torombos Vortrag und meinen Schock zu sprechen tat gut. „Schockieren ist in der Kunst ja auch immer gut“ sagte sie, und das stimmt. Diesmal wurde ich von ganz unerwarteten Momenten und Handlungen schockiert – das geht ja auch mit absolutem Purismus und nicht immer nur mit Avantgarde.

Patricia Guerrero: „Catedral“

Es war mir danach ein wahres Vergnügen, mich mit Patricia Guerrero und ihrer Compañia in ein Kathedrale zu begeben und ihr bei ihrer Befreiung zuzusehen. Es ist purer Genuß, ihren Tanz zu erleben und so war der Abend auch für mich. Meine eigene Befreiung fand bei „Catedral“ von dieser Dunkelheit statt. Das Stück ist düster und das sind auch die pompösen Gewänder, der Raum und das Licht – mehr dazu von Susanne Zellinger auf flamenco-divino. Das war anstrengend – und so ist es wohl. Es gab natürlich auch ganz zauberhaft-starke Momente und meine Lieblinge davon waren als die beiden Kirchenjünglinge (der Tenor und Counter-Tenor) zischten und seltsame Geräusche von sich gaben, die vielleicht nur im Kopf der Tänzerin Sinn ergaben. Sie sprachen Zungen und Patricia Guerrero vertanzte das. Ganz großes Kino und dieser Film war mir zu kurz. Viel zu kurz. Diese beiden Figuren in rot mit bloßen Füßen, ihre hohen Stimmen, ihr hissen und zischen und krissen und fizzen und sie davor. Toll!

Foto von Klaus Handner Patricia Guererro mit Catedral

Foto: Klaus Handner / Catedral von Patricia Guerrero

Mein weiterer Lieblingsmoment war das Duett zweier Tänzerinnen: Patricia Guerrero und dahinter Beine, Arme, Hände, die sie halten und verführen und gleichzeitig würgen und begrenzen. Ein unklares Wechselspiel aus Liebe und Unterdrückung.

Und ja, natürlich, die Musik! Wenn alles passt und großartig ist, dann ist das ja auch, weil die Musik einen perfekten Klangraum dafür geschaffen hat. Auf der Bühne mit den vier Tänzerinnen und den beiden jungen Sängern waren die absolut besten Musiker. Schon alleine deshalb… Gesang: José Ángel Carmona; Gitarre: Juan Requena; Perkussion: Agustín Diassera, David „Chupete“.

Links:

next.duo

Und dann war Sonntag und ich zeigte im Foyer mein Stück „next.duo“. Das Festival hat dieses Jahr das Foyer nicht nur für Filmvorführungen, Publikumsgespräche und den Flamencomarkt geöffnet, sondern auch für kleine Tanz/Performance/Stücke, die einen Kontrapunkt zu den Abendvorstellungen zeigen. Und so wurden sie auch programmiert: Während des ersten Wochenendes zeigten Daniel Doña und Cristian Martín „A pie de Calle“ vor Pastora Galván, während des zweiten Wochenendes zeigte ich „next.duo“ vor der Compañia Antonio Molina „El Choro“. Sehr krasse Gegensätze.

Foto Julia Petschinka mit nextduo beim Flamencofestival_Foto von Daniel Karsch

Foto: Daniel Karsch / Julia Petschinka mit next.duo im Foyer des tanzhaus nrw

El Choro: „Aviso: Bayles de Gitanos“

Das Stück war gefüllt mit Tradition, Erbe und Vermächtnis und mit exquisit ausgesuchten Cantes. Die KünstlerInnen sind toll, nämlich sowohl Musiker (Gitarre: Manuel de la Luz, Jésus Guerrero; Gesang: Pepe de Pura, Jésus Corbacho, Moi de Morón) als auch die beiden Tanzenden „El Choro“ und Gema Moneo. Aber der Abend war auch gefüllt mit unglaublichem Lärm. Für mich war alles zu grell, zu laut, viel zu laut und zu viel. Und das war schade. Denn wenn ich durch schmerzende Ohren vom Hörgenuss abgehalten werde, wenn Pepe de Pura solo singt und El Choro dazu tanzt, dann entgeht mir so viel von dem, was es sein könnte.

Foto von El Choro und Pepe de Pura _Foto von Klaus Handner

Foto: Klaus Handner / Pepe de Pura und El Choro

Die Tänze waren klassisch oder traditionell oder wie das heißt. In ihrer Stimmigkeit gefielen sie mir gut. Sowohl El Choro als auch Gema Moneo haben eine Fußtechnik, die man nicht glauben kann, wenn man sie nicht selbst hören würde, unfassbar schnell und präzise. Einiges am Gesamtstück war mir zu viel Klischee, zum Beispiel das Zusammentanzen im Duett. Oder das Dekoltee. Ja, ich weiß, das ist kein Thema für eine Kritik und ich weiß auch dass, wenn ich das erwähne, alles andere in den Hintergrund rückt. Nämlich Moneos fantastischer Ausdruck, ihre kraftvolle Energie, ihre Wildheit, ihre Fußtechnik – alles verschwindet, sobald so ein oberflächliches Detail wie das Gewand, die Haare oder das Dekoltee erwähnt werden. Und so ist es aber auch in Wirklichkeit: Es lenkt Blicke auf sich und zieht sie von woanders ab. Kann mir doch keiner einreden, dass sich vorher niemand Gedanken darüber macht – über die Kostüme, die Haare und das Aussehen bei einem Stück, denn das gehört auch dazu zum Gesamtbild.

Link:

Mikrofone an den Schuhen

A propos irrational, irrwitzige Fußtechnik: Ein Detail ist mir hier aufgefallen und das sind die Schuh-Mikrofone. Sowohl Patricia Guerrero als auch El Choro hatten jeweils an einem Schuh ein kleines Mikro befestigt, mit Kabel und dann einem Sender daran, der irgendwo im Kostüm hing. Leider war bei beiden die Befestigung nicht optimal, so dass sich das Mikro von Guerreros Schuh und der Sender von El Choros Hose gelöst haben. Die TänzerInnen waren abgelenkt und mussten während des Tanzes an diesen technischen Dingern herumfummeln. Aber das sind Details, die sich noch lösen lassen (kann man Platz in den Kostümen schaffen, damit sich die Sender nicht bewegen und die TänzerInnen ungestört tanzen können?)

Die Mikros bringen etwas Neues, das ich sehr spannend finde. Ich glaube, dass sie es den TänzerInnen womöglich erleichtern, gehört zu werden. Die klangverstärkten Schuhe ermöglichen es, detailreicher mit den Füßen zu musizieren. Die Schritte werden immer schneller und aufwändiger, es gibt Sequenzen, wo sich nur die Schuhe berühren, es gibt Sprünge in der Luft und all das hat seinen Klang. Es wäre schade, wenn wir das nicht hören könnten. Und jetzt können wir es hören, jetzt können die KünstlerInnen auch auf großen Bühnen mit ihren Füßen spielen!

Aber weitergedacht: Mini-Mikrofone mit eingebautem Sender können bestimmt schon bald Klänge verändern – verzerren zum Beispiel, modulieren auch und ach, was für Möglichkeiten.

Publikumsgespräche

Was ich jedes Jahr aufs Neue schätze sind die Publikumsgespräche nach den Aufführungen. Susanne Zellinger bringt dadurch einen Kontext in die Stücke, der vieles klärt und womöglich zurechtrückt. Aber nicht nur das: Viele fühlen sich bei ihr wohl und beginnen zu plaudern, sie erzählen von sich und ihren Gedanken und Konzepten. Ich mag es, weil ich gerne Einblicke bekomme, die über die künstlerische Präsentation hinausgehen. Ich interessiere mich für die Gedanken zu den Stücken, die Motivation und die Details. Durch die Publikumsgespräche komme ich all dem viel näher.

Foto Susanne Zellinger im Gespraech mit Daniel Dona und Cristian Martin _ Foto von Klaus Handner

Foto: Klaus Handner – Susanne Zellinger im Gespräch mit Daniel Doña und Cristian Martín nach ihrem Auftritt mit „Habitat“

Flamenco mit Real Bodies?

Und dann können wir uns jeden Tag aufs Neue aussuchen, was wir brauchen – hier hängen Zettel über Flamenco mit „real bodies“… Real Bodies ist eine Programmserie des tanzhaus nrw in der es um „echte Körper“ geht.

Foto des Abreisszettels Flamenco mit Real Bodies